2. Liga


Känel Ramon

Bericht Bieler Tagblatt

Der FC Aarberg ist nach dem 3:0-Forfaitsieg trotz einer 3:5-Niederlage im Rückspiel in die 2. Liga aufgestiegen. Während die Berner weiter mit dem Schicksal haderten, stieg im Seeland die grosse Party.
Die Freude kannte bei den Aarbergern nach dem Schlusspfiff trotz Niederlage keine Grenzen. Mit Bier wurde gefeiert – wobei nicht aller Gerstensaft in den Mündern landete. Bild: Olivier Gresset

600 Zuschauer, Happy-Hour, Ausnahmezustand in Aarberg: der direkte Wiederaufstieg in die regionale 2. Liga ist geschafft. Zwar verloren die Aarberger das Rückspiel gegen den FC Bern auf der Aarolina mit 3:5 – dank dem Gesamtskore von 6:5 reichte es trotzdem zum ersehnten Erfolg, auch wenn die zweiten 90 Minuten dieses Aufstiegsduells für die Aarberger gefühlte 180 waren, trotz roter Karte und Dominanz des Gegners.

Acht Tore, ein Schlusspfiff

Viele Zuschauer wurden erst am Samstag vor Ort auf der Sportanlage Aarolina über die gute Ausgangslage ihres Teams informiert. Der FC Bern hatte am vergangenen Mittwoch im Hinspiel (0:0) einen eigentlich gesperrten Spieler der ersten Mannschaft (2. Liga interregional) eingewechselt und die Partie somit am Freitag nachträglich mi 0:3 verloren (das BT berichtete). Basil Heim wurde in der 68. Minute von Trainer Christoph Gobeli eingewechselt – diese Szene sollte Berns Untergang in diesem Aufstiegsduell sein.

Aarberg bekam Wind vom Berner Fauxpas und meldete diesen beim Verband, «einen Schritt, für den wir uns nicht zu schämen brauchen, das Regelwerk ist nun mal eindeutig», wie Aarbergs Aufstiegstrainer Peter Schlatter sagt. Bern-Trainer Gobeli wurde zwar nicht müde, während und nach dem Rückspiel allen, die es hören oder nicht hören wollten, mitzuteilen, dass sein Team der sportliche Gewinner sei, «wir steigen lieber nicht auf, als so wie Aarberg», wetterte er. Schliesslich weiss aber auch er, dass der Fehler nicht bei den Aarbergern und auch nicht bei seiner Mannschaft liegt, sondern bei ihm und den restlichen Verantwortlichen, die im entscheidenden Moment unaufmerksam waren.

Die in ihrem Stolz geknickten Berner zeigten in Aarberg eine Trotzreaktion, auf die sie schliesslich – auch wenn es nicht gereicht hat – stolz sein dürfen. Von Beginn weg suchten die Gäste den Weg zum Tor, allerdings ohne dabei die nötige Präzision zu finden. Da auch Aarberg durchwegs offensiv antrat, entwickelte sich eine hektische Startphase mit vielen Zweikämpfen in den Verteidigungslinien. Als dann Fabian Läderach in der 10. Minute das erste «echte» Tor des Duells erzielte, war der Bann gebrochen. Sieben weitere sollten folgen, darunter Leckerbissen wie das 2:1 für Aarberg aus 20 Metern (Läderach), oder das 3:5 durch Berns Daniele Sforza per Freistoss (95.).

Als dann nach 96 Minuten der Schlusspfiff ertönte, stürmte die Aarberger Bank den Rasen, Trainer Schlatter bekam eine Bierdusche, der Speaker gab nüchtern den Aufstieg der Heimmannschaft bekannt – trotz Niederlage. Die Zuschauer blieben dem Rasen fern, spendeten ihrer Mannschaft Applaus von der Seitenlinie. «Happy-Hour von 20 bis 21 Uhr», dröhnte es wenig später aus den Boxen, welche vor dem Spiel in der Buvette installiert wurden, bevor laute Musik die feiernden Spieler Richtung Verpflegungshäuschen lockte. Mittendrin der pitschnasse Peter Schlatter, der, wie er sagt, extra einen zweiten Satz Kleider mitgenommen hatte, da er ahnte, dass ihn im Falle des Aufstiegs das Bier überfluten könnte. «Wir dürfen uns freuen, auch wenn wir verloren haben. Wir freuen uns über die tolle Saison, die nun mit dem Aufstieg den perfekten Abschluss gefunden hat», sagte der Trainer. Trotz des Forfaitsieges aus dem Hinspiel habe er gewusst, dass erneut ein hartes Spiel anstehen würde. «Beide Teams waren gut, schade können nicht beide aufsteigen.»

Glück des Tüchtigen

Der FC Aarberg hat sich den Aufstieg ein ganzes Jahr lang erarbeitet. Nach einer katastrophalen Rückrunde in der 2. Liga mit mehreren Trainerwechseln vergangene Saison haben die Seeländer mit Peter Schlatter den bodenständigen Trainer gefunden, der die Mannschaft mit der nötigen Ruhe führen kann. Die Aarberger verloren in der folgenden 3.-Liga-Meisterschaft nur einmal, gegen Prishtina Bern, als der Gruppensieg längst feststand. In 22 Partien wurden 80 Tore erzielt, nur 16 Gegentore mussten hingenommen werden. Der FCA zeigte den beeindruckenden Willen, nach dem «Ausrutscher» aus dem Vorjahr die direkte Rückkehr in die 2. Liga zu schaffen.

Der direkte Wiederaufstieg Aarbergs kommt deshalb nicht überraschend, weil die Mannschaft nach dem Abstieg praktisch in derselben Formation zusammenblieb. Zudem war die Konkurrenz in der neu formierten einheitlichen 3. Liga schlicht nicht in der Lage, dem grossen Aufstiegsfavoriten das Wasser zu reichen. Zu gross war das Gefälle in einer Gruppe, die aus Teams der 2. Liga, 3. Liga 1.- und 2. Stärkeklasse und 4. Liga der Vorsaison zusammengesetzt war. Den Spielrhythmus der Aarberger konnte kein Team mitgehen.

Weil die Aarberger den Aufstieg rein sportlich gegen Bern nicht geschafft hätten, nun von einem unverdienten Aufsteiger zu sprechen, wäre falsch. Zwar profitierten die Seeländer von einer Unachtsamkeit des Gegners und nutzten diese gnadenlos aus. Deshalb von unsportlichem Verhalten zu sprechen, liegt jedoch nicht nahe. Schliesslich lebt der Fussball auf dem Platz von Fehlern – in diesem Fall tat er es ausnahmsweise neben dem Platz zugunsten der Aarberger.

Auf der Aarolina wurde die Rückkehr bis in die Dunkelheit gefeiert. Nach dem Abstieg von Orpund und Azzurri Biel aus der 2. Liga meldet sich damit nächste Saison ein Altbekannter auf höchster Regionalstufe zurück. Bereits morgen kommt aus, ob es Diessbach oder Besa Biel den Aarbergern gleich tun wird.

***

Bericht Berner Zeitung

Aarberg profitiert von einem Lapsus des FC Bern

Aarberg kehrt in die 2.Liga zurück, trotz einer 3:5-Heimniederlage gegen den FC Bern. Der 3:0-Forfaitsieg im Hinspiel hat dabei den Ausschlag zugunsten der Seeländer gegeben.

Verkehrte Welt auf der Aarberger Aarolina: In der Aufstiegsbarrage zur 2.Liga verlässt der siegreiche FC Bern mit hängenden Köpfen das Terrain, während Aarberg trotz einer 3:5-Niederlage die grosse Feier steigen lässt. Der sportliche und moralische Sieger auf dem Rasen war aber der FC Bern, der nach hervorragendem Offensivspektakel die Seeländer im Rückspiel klar besiegte. Doch die Hypothek der 0:3-Forfaitniederlage aus dem Hinspiel war zu gross. Diese kostete den FC Bern schliesslich den verdienten Aufstieg in die 2.Liga.

Gesperrter Spieler eingesetzt

0:0 hatte das Hinspiel im Berner Neufeldstadion geendet. In diesem setzte der FC Bern ab der 65.Minute den Spieler Basil Heim ein, der am vorhergehenden Wochenende noch in der 1.Mannschaft (2.Liga interregional) zum Einsatz gekommen war und sich dort die vierte gelbe Karte eingehandelt hatte. Offenbar war diese vierte Gelbe Karte den Verantwortlichen entgangen. «Unglaublich, dass unserem gut organisierten Verein so etwas überhaupt passieren konnte», sagte Mittelfeldspieler David Mühlemann, als er vom Forfait-entscheid Kenntnis erhalten hatte. Er zeigte sich enttäuscht über das Verhalten der Aarberger, die den Verband über den strafbaren Einsatz von Heim informiert hatten. «Aber wir geben nicht auf und werden im Rückspiel versuchen, die 3-Tore-Differenz aufzuholen», sagte Mühlemann vor dem Match.

Unglückliches Ende

Aarberg vermochte den Berner Sturmlauf in der ersten Halbzeit (2:2) einigermassen aufzuhalten. Dies änderte sich ab der 44.Minute, als der Aarberger Goalie Lorenz Känel nach einem Notbremsefoul des Feldes verwiesen wurde. Fortan bekundeten die Gastgeber mit einem Mann weniger in der Defensive etwelche Mühe. Und trotzdem vermochte das Team von Trainer Peter Schlatter eine Viertelstunde vor Schluss zum vorentscheidenden 3:3 auszugleichen. Der unermüdliche Sturmlauf der Stadtberner führte schliesslich doch noch zum mehr als verdienten 5:3-Sieg. Dieses Tor, ein direkt verwandelter Freistoss von Daniele Sforza, praktisch mit dem Schlusspfiff des Unparteiischen kam aber zu spät. Es reichte nicht, dem FC Bern fehlte ein einziges Tor. Der Aufstieg soll nun gemäss dem Trainer Christoph Gobeli nächste Saison angestrebt werden

Telegramm

FC Aarberg - FC Bern 3:5
Aarolina - 600 Zuschauer

Tore:
10. 1-0 Läderach (Stöckli)
15. 1-1
43. 2-1 Läderach (Blaser)
45. 2-2
67. 2-3
76. 3-3 Blaser (Stöckli)
81. 3-4
95. 3-5

Aarberg:
Känel Lorenz;
Scheurer, Känel Jürg, Mori, Arm (49. Bürgi);
Hemund (46. Aebischer), Läderach (44. Gerber), Känel Marc, Stöckli;
Känel Matthias, Blaser

Bemerkungen:
gelbe Karte: Hemund, Känel Matthias
rote Karte: Känel Lorenz
kein Einsatz: Franke, Nussbaum, Schleiffer
gesperrt: Schwab
verletzt: Ambord, Känel Ramon

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